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Durch Kooperation Weiterkommen

 
 

Veranstaltungsankündigung: „Die Evolution der Kooperation“

Dienstag, 12. Juli 2011

 
 


Kooperieren wir mit anderen Menschen, weil wir Ihnen vertrauen oder vertrauen wir Ihnen, weil sie uns durch ihr Verhalten gezeigt haben, daß man mit Ihnen kooperieren kann? Ein interessantes sozialwissenschaftliches Problem, das von ausgesprochen praktischer Bedeutung ist.


Wenn von Kooperation oder Zusammenarbeit der Rede ist, sind meistens Worte wie “Vertrauen”, “Gemeinschaft’” und „Solidarität“ nicht fern. Kooperatives Verhalten setzt – so denkt man – ein gewisses Vertrauen in die Person oder Struktur voraus, mit der man kooperieren möchte.


Üblicherweise begegnet man in der Diskussion um kooperatives Verhalten deshalb oft normativen Ansprüchen und moralischen Appellen. Von „Massnahmen zur Vertrauensbildung“ ist da die Rede, es geht um vertragliche oder informelle Verpflichtungen zur Zusammenarbeit, oder es werden psychoiogische oder sozialtherapeuttische Kriterien wie „Persönlichkeit“ oder „Charakter“ herangezogen, um Kooperativität zu erklären, oder Kooperation soll mit ehr oder minder ausgeprägtem Zwang durchgesetzt werden.


Mit der Folge, daß der Weg zu entsprechenden negativen Sanktionskreisläufen nicht weit ist, wenn es dann mit dem geforderten kooperativen Verhalten eben doch nicht so funktioniert, wie der Plan es erfordert.


(Bild: Robert Axelrod)


Denn wir leben in einer kompetitiven Umwelt, die egoistisches Verhalten belohnt, egal wie sehr auch Vertrauen gefordert sein mag. In der Praxis müssen wir tagtätglich mit solchen Widersprüchen klarkommen. Einerseits ist kooperatives Verhalten ja kaum zu erzwingen, denn Kooperation setzt immer eine gewisse Freiwilligkeit voraus. Andererseits ist die Frage, ob und wie Menschen miteinander kooperieren, zwar durchaus auch eine Frage sozialer Regeln und Normen, was aber immer wieder auch von taktischen Überlegungen geprägt ist. Denn ist der Praxis ist Kooperation etwas, was auch ohne übergreifende Normen und Zwänge immer wieder „einfach so geschieht“.


Wie also erforscht man die Bedingungen solcher scheinbar spontan entstehenden Kooperationsbeziehungen, ohne sich in den Sumpf psychologischer, moralischer, juristischer oder gar religiöser Bewertungsmuster zu begeben? Eine soziologsche Frage - denn ohne tragfähige soziale oder wirtschaftliche Beziehungen, d.h.  ganz ohne, Vertrauen, Bindung und sozialen Zusammenhalt
scheint kooperatives Verhalten kaum denkbar zu sein.


Einen interessanten – weil eben nicht normativen - Ansatz zur Erforschung von kooperativem Verhalten (und wie es entsteht) verfolgte Robert Axelrod mit einem sozialpsychologischen Forschungsansatz, der weder empirisch noch theroretisch und schon gar nicht normativ ist, sondern experimentell. Axelrod griff auf das  aus der Sozialpsychologie bekannte „Gefangenendilemma“ und die mathematische Spieltheorie zurück, und erforschte mit deren Hilfe verschiedene Spielstrategien. Es gelingt ihm eine Begründung, nach der sich kooperatives Verhalten durchaus auch als rational begründbar verstehen läßt.


In einem von Axelrod veranstalteten Computerspiel-Turnier trug interessanterweise immer wieder die ganz einfache Strategie namens „TIT FOR TAT“ (dt.: Wie Du mir so ich Dir“) den Sieg davon, ersonnen von dem bekannten Konfliktforscher Anatol Rapoport. Dieses Ergebnis lieferte den Befund, um den das Buch „Evolution der Kooperation“ inhaltlich kreist.


Wie und warum es unter kompetitiven Bedingungen möglich ist, konstruktiv miteinander zu arbeiten, soll im Mittelpunkt eines Themenabends, der auf Einladung der Regionalgruppe Berlin im Berufsverband  Soziologen am 18. Juli 2010 ab 19:30 in der Buchhandlung „Der Zauberberg“ in Berlin Friedenau stattfinden wird.


Der Berliner Soziologe und Unternehmensberater Johann Krakl (Betreiber dieser Webseite) wird den Forschungsansatz Axelrods vorstellen. Im Mittelpunkt steht u.a. die Frage,  ob es möglich ist, Ergebnisee der Forschung produktiv für seine eigene Arbeit zu nutzen. Insbesondere auch, ob der Ansatz dazu dienen kann, die eigene Arbeit im Bereich Training oder Beratung sozialwissenschaftlich zu begründen.


Wir freuen uns auf eine spannende Diskussion. Die Veranstaltung ist öffentlich und kostenfrei. Es gibt aber nur eine beschränkte Anzahl von Plätzen, sodass um Voranmeldung gebeten wird. Ihr Kommen können auch Sie auch gerne hier über die Kontaktseite ankündigen.


Weitere Informationen:


Das Buch ist in der 7. Auflage in einer Studienausgabe (Oldenbourg 2009, ISBN 348659172) erhältlich,  Robert Axelrods Homepage an der University of Michigan: http://www-personal.umich.edu/~axe/


Wer sich intensiver mit der Spieltheoria auseinandersetzen möchte, sei auf Professor Riecks Spieltheorie-Seiten verwiesen: http://www.spieltheorie.de/index.htm. Eine hervorragende Rezension zu dem Buch findet sich übrigens auf Winfried Berners „Umsetzungsberatuung“.



 
 
 

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